Kultusministerium lobt den „Lernzirkel Judentum“ des Dossenberger-Gymnasiums Günzburg als Vorzeigeprojekt

17.05.2017
© Claudia Hautumm / pixelio.de
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Günzburg/Ichenhausen/München(kr) Der Bayerische Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Dr. Ludwig Spaenle lobt den „Lernzirkel Judentum“ des Dossenberger-Gymnasiums Günzburg als „ein in jeder Hinsicht beispielhaftes Projekt“. Daher wird der Lernzirkel auf dem „Historischen Forum Bayern“, dem Internetportal für alle bayerischen Geschichtslehrkräfte, vorgestellt. Zudem wird im Kontaktbrief Geschichte 2017/2018, der zu Beginn des neuen Schuljahres allen Geschichtsfachschaften an den bayerischen Gymnasien zur Verfügung gestellt wird, ein Hinweis auf den „Lernzirkel Judentum“ aufgenommen. Dies teilen die  beiden heimischen Landtagsabgeordneten Alfred Sauter und Dr. Hans Reichhart (beide CSU) mit.

Der „Lernzirkel Judentum“ wird vom Dossenberger-Gymnasium Günzburg veranstaltet. Im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ unterrichten nunmehr schon seit dem Jahr 2000 Neuntklässler des Dossenberger-Gymnasiums Günzburg die vierten Klassen der Grundschulen, inzwischen aus dem gesamten Landkreis Günzburg, in der ehemaligen Synagoge Ichenhausen, dem Haus der Begegnung, und dem dortigen jüdischen Friedhof. Dabei bringen sie den Kindern jüdisches Leben und den jüdischen Glauben näher. Die Gymnasiasten beschäftigen sich in der Vorbereitung intensiv mit der deutsch-jüdischen Geschichte. Jeweils die komplette 9. Jahrgangsstufe setzt sich sechs bis acht Wochen lang im Religions- und Ethikunterricht mit dem Judentum auseinander und gibt anschließend ihr Wissen an über 1000 Grundschulkinder weiter. „Ich bin jedes Jahr auf’s Neue fasziniert, mit wieviel Engagement die Neuntklässler den Viertklässler die jüdische Kultur nahebringen und wie wissbegierig die Viertklässler sind“, so der 1. Bürgermeister der Stadt Ichenhausen, Robert Strobel.  „Die Gymnasiasten schlüpfen dabei in die Rolle des Lehrers und lernen, dass es nicht so leicht ist, als Lehrer vor einer Gruppe zu bestehen. Wie gehe ich damit um, wenn ein Kind nicht aufpasst? Kann ich auch mal eine Strafaufgabe geben, wenn ein Schüler nicht mitmacht? Fragen, die die Gymnasiasten klären müssen. Somit ergibt sich eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Die Gymnasiasten üben sich in sozialer Kompetenz und die Grundschüler profitieren von dem vermittelten Wissen“, so StD Dr. Salbaum,  Religions- und Seminarlehrer für Geschichte am Dossenberger-Gymnasium, der das Projekt „Lernzirkel Judentum“ betreut.

Die Abgeordneten Sauter und Dr. Reichhart hatten ursprünglich beim Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst angeregt, dass der „Lernzirkel Judentum“ in die Liste der zehn Unterrichtsmaterialien, welche der Freistaat Bayern der Kultusministerkonferenz und dem Zentralrat der Juden zur Prüfung vorschlägt, aufgenommen wird. Dies wurde sorgfältig erwogen, war aber leider nicht möglich. Von der Kultusministerkonferenz und dem Zentralrat werden bereits veröffentlichte Unterrichtsmaterialien, welche in der vorgelegten oder leicht angepassten Form von Lehrkräften auch außerhalb Bayerns unmittelbar unterrichtlich umgesetzt bzw. genutzt werden können, gefordert. Wie das Kultusministerium mitteilte, treffen diese vorgegebenen Kriterien auf den „Lernzirkel Judentum“ leider nicht in ausreichendem Maße zu, insbesondere da er in der vorliegenden Form, unbenommen seines Vorbildcharakters, naturgemäß nur vor Ort und im Rahmen des dort gegebenen Organisationsrahmens durchführbar ist. Sollte es beim weiteren Fortgang der Arbeiten der Kultusministerkonferenz und des Zentralrats über die derzeitige Abfrage hinaus eine Auflistung unter weiter gefassten Kriterien geben, wird der Lernzirkel aber selbstverständlich miteinbezogen werden, sicherte das Kultusministerium zu.

„Allerdings wird der herausragende ‚Lernzirkel Judentum´ im ‚Historischen Forum Bayern‘, dem Internetportal für alle bayerischen Geschichtslehrkräfte, vorgestellt.  Damit wird der Lernzirkel unter den bayerischen Geschichtslehrkräften bekannt gemacht, um diese zu einer Teilnahme bzw. zu einem ähnlichen Projekt anzuregen, denn der Lernzirkel eignet sich nicht nur für die Stadt Ichenhausen und den Landkreis Günzburg, sondern kann als Beispiel für andere Kommunen mit Synagogen bzw. ehemaligen Synagogen dienen“, freut sich Alfred Sauter. Unter http://www.historisches-forum-bayern.de/index.php?Seite=5437& befindet sich eine Sammlung von Hinweisen zum Thema „Jüdisches Leben und Kultur im Geschichtsunterricht“ im Aufbau, die fortlaufend ergänzt werden wird.  „Zudem wird ein Hinweis auf den ‚Lernzirkel Judentum‘ in den Kontaktbrief Geschichte 2017/2018 aufgenommen, welcher zu Beginn des neuen Schuljahres allen Geschichtsfachschaften an den bayerischen Gymnasien zur Verfügung gestellt wird“, so Sauter weiter.

„Jüdische Geschichte und Kultur nehmen an den Schulen in Bayern einen ganz zentralen Stellenwert ein. Insbesondere durch Bildung, die auch jüdisches Leben und jüdische Kultur für die Schülerinnen und Schüler erfahrbar macht, kann Antisemitismus und rassistischen Vorurteilen entschieden entgegengetreten werden und können Demokratie und Toleranz gestärkt werden. Hierfür ist der ‚Lernzirkel Judentum‘ ein Projekt mit Vorbildcharakter. Es ist daher sehr zu begrüßen, dass das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zur Bekanntmachung dieses Projekts beiträgt“, so Dr. Hans Reichhart abschließend.