Thannhausener Export Schlager: „Ihr Kinderlein kommet“

24.12.2018

Christoph von Schmid gehört zu den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren des 19. Jahrhunderts. Sein bekanntestes Werk, das Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ entstand in Thannhausen – Inzwischen ist es in 24 Sprachen übersetzt. In diesem Jahr wäre Schmid 250 Jahre alt geworden.

Schmid wurde 1768 als ältester von neun Kindern einer Beamtenfamilie in Dinkelsbühl geboren. In seinem Philosophie- und Theologiestudium in Dillingen stand Schmid dem späteren Regensburger Bischof Johann Michael Sailer nahe. Bischof Sailer galt als Querdenker, Reformer und wurde vom bayerischen Königshaus als Berater geschätzt. Er unterrichtete Schmid persönlich und nannte ihn „die Krone meiner Bemühungen.“

An Schmid schätzt Sailer seine unkomplizierte aber einfühlsame Art, Kindern den Glauben näher zu bringen. Bereits in Studienzeiten schrieb Schmid Kurzgeschichten und Gedichte für Kinder. Seine sechs Bände „Biblische Geschichten für Kinder“ wurden Unterrichtsmaterial in Volksschulen. Die „50 kleine Erzählungen“ erreichten hohe Auflagen.

Im Jahr 1791 wurde Schmid zum Priester geweiht. Er begann als Kaplan in Seeg im Allgäu und in Mindelheim wurde Schmid mit nur 28 Jahren zum Schuldirektor in Thannhausen ernannt. Von 1796 bis 1816 lebte und arbeitete Schmid im Landkreis Günzburg. Hier entstand das ursprünglich achtstrophige Weihnachtsgedicht „Die Kinder bey der Krippe.“

1. Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all’!
Zur Krippe her kommet in Betlehems Stall
und seht, was in dieser hochheiligen Nacht
der Vater im Himmel für Freude uns macht.

2. O seht in der Krippe, im nächtlichen Stall,
seht hier bei des Lichtleins hellglänzendem Strahl,
den lieblichen Knaben, das himmlische Kind,
viel schöner und holder, als Engelein sind.

3. Da liegt es – das Kindlein – auf Heu und auf Stroh;
Maria und Josef betrachten es froh;
die redlichen Hirten knie’n betend davor,
hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.

4. Manch Hirtenkind trägt wohl mit freudigem Sinn
Milch, Butter und Honig nach Betlehem hin;
ein Körblein voll Früchte, das purpurrot glänzt,
ein schneeweißes Lämmchen mit Blumen bekränzt.

5. O betet: Du liebes, Du göttliches Kind
was leidest Du alles für unsere Sünd’!
Ach hier in der Krippe schon Armut und Not,
am Kreuze dort gar noch den bitteren Tod.

6. O beugt wie die Hirten anbetend die Knie,
erhebet die Hände und danket wie sie!
Stimmt freudig, ihr Kinder, wer wollt sich nicht freu’n,
stimmt freudig zum Jubel der Engel mit ein!

7. Was geben wir Kinder, was schenken wir Dir,
du Bestes und Liebstes der Kinder, dafür?
Nichts willst Du von Schätzen und Freuden der Welt –
ein Herz nur voll Unschuld allein Dir gefällt.

8. So nimm unsre Herzen zum Opfer denn hin;
wir geben sie gerne mit fröhlichem Sinn –
und mache sie heilig und selig wie Dein’s,
und mach sie auf ewig mit Deinem nur Eins.

Der Bibelvers aus dem Markusevangelium „Lasset die Kinder zu mir kommen“ dient als Grundlage des Gedichts. Während die ersten vier Strophen weitgehend dem heutigen Liedtext von „Ihr Kinderlein kommet“ entsprechen, beschäftigen sich die weiteren Strophen mit anspruchsvollen theologischen Themen. Gedruckt erschien der Text erstmals 1811. Mehr als 20 Jahre später komponierte Johann Abraham Peter Schulz, einst Hofkapellmeister am dänischen Königshof in Kopenhagen, zu Schmids Text die eingängige Melodie von „Ihr Kinderlein kommet.“

In kurzer Zeit wurde das Lied international bekannt und Schmid noch zu Lebzeiten berühmt. Der bayerische König Ludwig I. adelte ihn 1837 und verlieh ihm den Verdienstorden der Bayerischen Krone. Schmid starb 1854 mit 86 Jahren an den Folgen der in Augsburg wütenden Choleraepidemie.

 

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