Neubau Amtsgericht Günzburg

04.01.2017

Mehr als zwei Jahrzehnte kämpfte der Landtagsabgeordnete Alfred Sauter um einen Neubau des Amtsgerichts Günzburg, im April 2016 wurde das neue Amtsgericht fertig gestellt.

Der Neubau des Amtsgerichts Günzburg war dringend notwendig, da die bisherige zersplitterte Unterbringung einem geordneten Dienstbetrieb unzuträglich war und Mehrkosten verursachte. Eine klare Trennung der organisatorischen Einheiten war in dem bisherigen Gebäude nur sehr eingeschränkt möglich.

Erste Überlegungen

Bereits 1991 wurde auf Veranlassung von Alfred Sauter, MdL von der Bezirksfinanzdirektion bei der Stadt Günzburg Interesse am Erwerb eines Grundstücks auf dem ehemaligen SBI-Gelände an der Ecke Ichenhauser Straße/Schöblstraße angemeldet. In den darauffolgenden Jahren beteiligte sich Alfred Sauter, der damals auch Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Justiz war, an umfassenden Gesprächen und Verhandlungen. Geplant war ursprünglich ein gemeinsames Ämtergebäude für die Justiz und die Vermessungsverwaltung. Letztere entschied sich 1996 für einen Verbleib an dem Standort in der Augsburger Straße. Dort wurden in der Folgezeit auch umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßen durchgeführt. Nach zahlreichen Gesprächen zwischen dem in die Oberste Baubehörde gewechselten Staatssekretär Alfred Sauter und dem damaligen Justizminister Hermann Leeb wurde schließlich entschieden, den Neubau des Amtsgerichts verbindlich auf dem SBI-Gelände zu realisieren. 2003 kaufte der Freistaat Bayern von der Stadt Günzburg das Gelände an der Ecke Ichenhauser Straße/Schöblstraße und verpachtete das Grundstück zunächst zur Nutzung als öffentlicher Parkplatz an die Stadt Günzburg.

Startschuss

Stimmkreisabgeordneter Alfred Sauter wurde sodann immer wieder bei der Staatsministerin der Justiz, Dr. Beate Merk, vorstellig und drängte auf die Einleitung von Planungsmaßnahmen. Im Jahre 2011 war es dann endlich soweit. Staatsministerin Dr. Merk beantragte beim Haushaltsausschuss die notwendigen Planungsmittel, die dieser unter dem Vorsitz von Georg Winter, MdL auch zügig bewilligte.

Auf Anregung der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern wurde Anfang 2012 entschieden, vor der Vergabe des Auftrags für die Planung des Neubaus des Amtsgerichts Günzburg einen Architektenwettbewerb durchzuführen. So konnten möglichst viele Ideen und Vorschläge eingebracht und gesichtet werden. Dem Preisgericht gehörte auch ein Sachpreisrichter aus der Stadt Günzburg an, so dass dem neuen Justizgebäude auch eine ortsnahe Begutachtung und Bewertung zugrunde liegt.

Auf Grundlage der gesicherten Finanzierung für 2013/2014 gab die damalige Staatsministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Dr. Beate Merk, bei der Bekanntgabe des Siegerentwurfes Ende Juli 2012 den endgültigen Startschuss für das Neubauprojekt. Im Anschluss an die Vergabe des Planungsauftrags wurden zwischen September 2012 und März 2013 die haushaltsrechtlichen Grundlagen für das Vorhaben geschaffen. Mitte März 2013 erfolgte schließlich die abschließende haushaltsrechtliche Genehmigung durch den Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen des Bayerischen Landtags. Der Ausschuss genehmigte die sog. Haushaltsunterlage-Bau (HU-Bau) und stellte 16,2 Millionen Euro für den Neubau des Gerichtsgebäudes bereit. Der Spatenstich, an dem unter anderen die damalige Staatsministerin Dr. Beate Merk und der Stimmkreisabgeordnete Alfred Sauter teilnahmen, fand am 12.07.2013 statt.

Fertigstellung

Mit der Fertigstellung des Rohbaus und der Errichtung des Dachstuhls wurde am 03.11.2015 Richtfest gefeiert. Unter den Anwesenden waren die Landtagsabgeordneten Dr. Hans Reichhart und Alfred Sauter sowie der Staatsminister der Justiz Prof. Dr. Winfried Bausback.

Das erste Passivhaus der bayerischen Justiz

Am 18. April 2016 war es dann soweit. Das neue Amtsgericht Günzburg wurde durch Bayerns Justizminister Winfried Bausback eröffnet. Das Besondere am Gebäude ist aber der Bau selbst: Es ist das erste Bürogebäude der Bayerischen Justiz mit Passivhausstandard. Die Heizung und Kühlung sind mit gasbetriebenen Luftwärmepumpen ausgestattet, eine Photovoltaikanlage liefert Strom. Die Räumlichkeiten wurden überwiegend mit Lärchenholz und Naturstein gestaltet. Es gibt auch einen Service für hörgeschädigte Menschen: Im Boden des Gerichtssaals wurden Induktionsschleifen verlegt. Hier können sich Schwerhörige mit ihren Hörgeräten einklinken – dann hören sie den Ton klar und deutlich, der vorn vom Richter kommt. Natürlich wurde beim Bau auch auf die Sicherheit geachtet: Es gibt eine Sicherheitsschleuse in der Tiefgarage für die Anfahrt der Gefangenen durch die Polizei und eine Sicherheitskontrolle im Eingangsbereich, Metalldetektor inklusive – das ganze natürlich barrierefrei.

Spezielle Bauart

Das neue Amtsgericht wurde in kubischen Grundformen errichtet. An der Nahtstelle zwischen der höhergelegenen Altstadt mit dem anmutenden Schloss sowie dem westlich angrenzendem Wohn- und Landschaftsraum der Günzaue wurde ein Gebäude erstellt, das sich durch die Baukörperstaffelung hervorragend in die topographisch anspruchsvolle Situation einfügt. Über einen vorgelagerten Platz, der sich zur Altstadt hin öffnet, wird ein dreigeschossiger Kopfbau erschlossen, der den Eingangsbereich und den öffentlich zugänglichen Sitzungssaalbereich des Amtsgerichts enthält. Hinter diesem Kopfbau liegt ein langgestreckter flacher Baukörper, der sich der Günzaue zuwendet. Er ist im Erdgeschoss an den Eingangsbereich angebunden und bewältigt mit zwei darunter liegenden, rückwärtig in den Hang geschobenen Sockelgeschossen die Hangsituation auf dem Grundstück. Dieser Baukörper enthält den nichtöffentlichen Bürobereich des Amtsgerichts. Begrünte Lichthöfe bringen Tageslicht in die innenliegenden Erschließungszonen und die sich anschließenden Büroräume. Das unterste Geschoss liegt auf der Ebene der Günzaue. Teil des neuen Amtsgerichts ist auch eine Tiefgarage sein, die insbesondere für die Beschäftigten des Gerichts vorgesehen ist und 42 Stellplätze bereithält. Darüber hinaus wird es 16 über die Ichenhauser Straße erschlossene Stellplätze für Besucher und Prozessbeteiligte geben. Dadurch ergibt sich eine Entspannung der Parkplatzsituation im direkten Umfeld des Amtsgerichts im Bereich Schöblstraße/Günzauen. Stellplätze, die aufgrund der Baumaßnahmen weggefallen sind, wurden von der Stadt Günzburg kompensiert. An der Ichenhauser Straße wurde ein neuer Parkplatz geschaffen. Für die "Kunst am Bau" entwarfen die Künstler von Lab Binaer eine Drehscheibe, auf der 2000 Libellen einer Wasserwaage befestigt sind. Das Werk trägt den Namen "Alles was Recht ist" und stellt die Waage der Rechtsgöttin Justitia dar.

Teilen Sie diese Meldung