1. Dezember 2023

Fleiß, Sparsamkeit und Erfindungsreichtum sind Eigenschaften, die uns Schwaben gerne nachgesagt werden. Zu Recht, wie ich finde – das ist auch und vor allem der Respekt vor der Lebensleistung vieler Menschen, die in unserer Heimat aus ihren Möglichkeiten das Beste für den Wohlstand aller sowie für sich und ihre Familien gemacht haben. Etwas „schaffen“, das hat für uns Schwaben einen besonderen Wert. 
 
Handwerk, Handel und Industrie, Freiberufler und Dienstleister – sie alle sind das Fundament für nachhaltigen Erfolg. Selbstständig das bedeutet immer auch: selbst und ständig! Die Unternehmerinnen und Unternehmer im Landkreis Günzburg - quer durch alle Branchen und gleich welcher Unternehmensgröße - haben mit Ideenreichtum, Visionen, Mut, Zielstrebigkeit und Schaffenskraft Maßstäbe gesetzt. Gemeinsam mit den Beschäftigten und den Arbeitnehmervertretungen ist es immer wieder gelungen, eine vertrauensvolle Basis zu finden. Unser aller Ziel war stets: Gute Entscheidungen für alle Beteiligten. Eine respektvolle und wertschätzende Zusammenarbeit und der persönliche Kontakt zu den führenden Frauen und Männern in den Betrieben und den Arbeitnehmervertretungen war mir besonders wichtig. Ein gut funktionierendes Netzwerk und eine wohlwollend kritische Aufgeschlossenheit gegenüber den Anliegen der wirtschaftlich Verantwortlichen haben dazu beigetragen, dass mit großer Zielstrebigkeit die Weichen richtiggestellt wurden. Ich danke daher für das Vertrauen, gemeinsam nach den bestmöglichen Ergebnissen für Arbeitnehmer UND Arbeitgeber zu suchen. 
 
Die Förderung der heimischen Wirtschaft war stets eine besondere Herausforderung. Da mussten vernünftige Rechtsgrundlagen einerseits geschaffen werden, andererseits ging es um organisatorische Hilfestellungen, Vermittlung von Ansprechpartnern und Kontakten – oftmals im Ausland –, Begleitung von Verwaltungsvorgängen und selbstverständlich auch um finanzielle Förderungen. Eine Region mit einer lebendigen, flexiblen, innovativen und erfolgreichen Wirtschaft ist eine Region, die für die Bürgerinnen und Bürger alle Chancen eröffnet, sich selbst ihre ganz individuellen Lebensziele buchstäblich zu erarbeiten und zu verwirklichen.
 
Wirtschaftskraft
 
Die Wirtschaftskraft im Landkreis Günzburg ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig und deutlich nach oben gegangen. Vor 30 Jahren gab es im Landkreis Günzburg rund 38.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Ende 2022 waren es mehr als 56.000. Heute hat unser Landkreis mit ca. 2 % eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Bayern und damit in ganz Deutschland. Das bedeutet im Grunde Vollbeschäftigung. Wir zählen zwischenzeitlich zu den boomenden Wirtschaftsregionen in Bayern und nehmen auch in Deutschland einen Spitzenplatz ein. Das lässt sich auch am verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte je Einwohner im Landkreis Günzburg ablesen: Waren das im Jahr 1995 noch 13.835 Euro, so ist das Einkommen im Jahr 2021 auf 25.671 Euro gestiegen. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich von 52.255 Euro (1995) auf 88.252 Euro (2021) je erwerbsfähige Person erhöht.
 
Das Bevölkerungswachstum kann sich ebenfalls sehen lassen. Im Jahr 1972 lebten im Landkreis Günzburg 104.000 Menschen, 1995 waren es 118.500 und im Jahr 2021 erreichte die Einwohnerzahl mit 127.900 Menschen eine neue Bestmarke.  
 
Niedrige Jugendarbeitslosigkeit
 
Jungen Menschen einen guten Start in eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen hatte für mich stets oberste Priorität. Da gab es Zeiten, wo ich mich intensiv darum gekümmert habe, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen, da die Nachfrage äußerst groß war. Es ist damals gelungen, dass fast alle, die eine Lehrstelle antreten wollten, auch eine bekommen haben. Heute hat sich das Blatt gewendet. Handwerk, Dienstleistung und Industrie suchen händeringend Auszubildende, um der enormen Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal gerecht zu werden. Da muss sich auch die Politik gewaltig ins Zeug legen und einen deutlichen Beitrag leisten. Sonst bleibt es auf Dauer nicht bei einer Arbeitslosigkeit bei den 15- bis 20jährigen von ca. 0,5 %. Auch da liegen wir deutschlandweit ganz vorne. 
 
AREALpro
 
Nur ein Beispiel von vielen, aber für mich als Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Günzburg doch ein herausragendes Projekt der heimischen Wirtschaftsförderung ist das AREALpro in Leipheim. Lange, viel zu lange, lag das Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Leipheim brach. Wieder war es eine geschlossene Mannschaftsleitung der verantwortlichen Entscheider vor Ort, dass daraus seit 2010 das AREALpro entstanden ist. Bei dem Erwerb der Flächen und bei der Gründung des Zweckverbandes Interkommunales Gewerbegebiet habe ich gerne mitgewirkt: Auf dem 112 ha großen Areal wurden Unternehmen angesiedelt, die den Wirtschaftsstandort Landkreis Günzburg noch stärker und erfolgreicher machen. 
 
Mit dem Digitalen Gründerzentrum auf der AREALpro hat die heimische Wirtschaft in unserem Landkreis Günzburg einen weiteren Innovationsschub erhalten und erneut an Attraktivität für junge Gründer und Start-Ups gewonnen. Diese gezielte Förderung von Innovationen sowie neuen Ideen, und die enge Vernetzung von Know-how trägt seinen Teil dazu bei, den Wohlstand und die wirtschaftliche Prosperität des Landkreises Günzburg langfristig zu sichern. Die modernen Netzwerke im Gründerzentrum verbinden die Wissenschaft mit den Unternehmen und Gründern vor Ort – die Fördermittel des Freistaats im Millionenbereich sind hier sehr gut angelegt. 
 
Technologie und Digitalisierung
 
Mit dem Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ) in Günzburg ist es gelungen, in der Region eine Lücke im Bereich der Forschungs-, Technologie- und Innovationsstrategie zu schließen und wegweisende Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Kooperation mit der regionalen Wirtschaft durchzuführen. Seit Herbst 2020 beschäftigt sich das TTZ in Günzburg als Außenstelle der Hochschule Neu-Ulm mit den Themen Data Analytics und Künstliche Intelligenz (KI).
 
Ein weiterer, wesentlicher Meilenstein war der erfolgreiche Breitbandausbau in unserem Landkreis. Über die verschiedenen Breitband-Förderprogramme wurden insgesamt 26,8 Millionen Euro an Kommunen aus dem Landkreis Günzburg zugesagt. Damit wurden 33 Projekte in 26 Gemeinden nach Bayerischer Breitbandrichtlinie gefördert und 11 Projekte in 11 Gemeinden nach Bayerischer Gigabitrichtlinie sowie 38 öffentliche Schulen, 2 Plankrankenhäuser und 8 Rathäuser nach Glasfaser/WLAN-Richtlinie. Aktuell sind 164 BayernWLAN Hotspots im Landkreis Günzburg in Betrieb. Wie so oft sind auch hier die Kommunen und ihre Vertreter im Vorteil, die schnell die Chancen erkannt und zugegriffen haben. Ich habe mich im Bayerischen Landtag intensiv für die Verabschiedung dieser Programme verwendet und war mit vielen Gemeinden bzgl. ihrer Förderanträge laufend im Gespräch.
 
Wenn ich dann vor Ort sehe und höre, dass dies den gewünschten Erfolg hatte, freue ich mich aufrichtig. Als ein Beispiel von vielen wird mir die Begegnung mit dem Bürgermeister von Aichen, Alois Kling, in Erinnerung bleiben. In seiner Gemeinde werden demnächst alle Haushalte an das zwischenzeitlich installierte Glasfasernetz angeschlossen sein. Als vor einigen Jahren der Startschuss zum Breitbandausbau gegeben wurde, erzählte mir Alois Kling, dass sein Großvater vor gut 100 Jahren als Bürgermeister mitverantwortlich dafür war, dass die Gemeinde Aichen an das Stromnetz angeschlossen wurde. Alois Kling und seine Mitstreiter im Gemeinderat können heute ebenso stolz darauf sein, ihre Gemeinde mit einem modernen Glasfasernetz in das digitale Zeitalter geführt zu haben. Beides sind bemerkenswerte Pionierleistungen ihrer Zeit! 
 
Eine funktionierende Wirtshaft ist Grundlage für Wohlstand und Frieden. Der Landkreis Günzburg ist und bleibt da auf einem guten Weg. Auch wenn es im Moment danach aussieht, dass wirtschaftlich schwierige Jahre vor uns liegen, bin ich überzeugt, dass gut qualifizierte Beschäftigte einerseits und innovative Unternehmerinnen und Unternehmer andererseits weiter das Fundament dafür sind, dass wir an der Spitze bleiben werden. Dafür wurde hart gearbeitet und da darf man nicht nachlassen.